Neue Grabformen für den Ringsheimer Friedhof

Die Bauarbeiten zur Neugestaltung des westlichen Friedhofes in Ringsheim haben am vergangenen Montag mit dem symbolischen Spatenstich begonnen. Bürgermeister Pascal Weber begrüßte neben den beteiligten Firmen den Gemeinderat, Ringsheimer Bürger, die als Grabnutzungsberechtigte von den Maßnahmen direkt oder indirekt betroffen sind, ebenso Gemeindereferentin Antonia Hugenschmidt und Pastoralreferentin Jeremia Kraus von der Seelsorgeeinheit Rust . Der Wunsch nach modernen zeitgemäßen Grabformen wie Rasengräber, Urnengarten, Urnenstelenkombination, aber auch klassische Erd- und Urnengräber werden entstehen, um den unterschiedlichen Bedürfnissen von Bestattungsformen auch in Ringsheim gerecht zu werden. Mit der Maßnahme, die bis zum 11. November abgeschlossen sein soll, wird die westliche Teilfläche auch optisch aufgewertet.

Derzeitige Unebenheiten und Senkungen sollen durch neue Wege barrierefrei ausgestaltet werden, damit auch Menschen mit Behinderungen ungehindert die Gräber besuchen können. Im Anschluss an das bestehende Urnengrabfeld ist ein Zweites mit 16 möglichen Urnengräbern vorgesehen. Direkt an der Westseite wird eine Urnenwand mit Urnenstelen entstehen. Im Anschluss daran sind Urnengräber, Urnenrasengräber, sowie ein Urnensammelgrab geplant. Im letzten anschließenden Teilstück wird ein Urnengarten mit Erweiterungsmöglichkeiten entstehen, sowie eine Fläche, auf der die vorhandenen Grabplatten früher verstorbener Pfarrer eingelassen werden. Entlang der westlichen Abgrenzung wird das ehemalige Kriegerdenkmal, das an die Gefallenen der beiden Weltkriege erinnert, wieder einen Platz finden. Im Zuge der Neugestaltung des Rathausplatzes musste dieses weichen. Nach intensiver Diskussion und einer Bürgerbeteiligung entschied sich der Gemeinderat für diesen Standort. Links und rechts daneben wird der Obelisk,  sowie das barocke Friedhofskreuz, auch Machleidsches Kreuz genannt, wieder aufgebaut. Der Obelisk ist bereits zur Sanierung abgebaut, das Friedhofskreuz steht derzeit noch neben dem Hauptzugang zur Kirche. Mit einem Gedenkstein wird auch an den deportierten Ringsheimer jüdischen Bürger Ludwig Heilbronn gedacht. Er wurde am 11. November 1938 in Ringsheim inhaftiert und nach einer Odysee durch vier Konzentrationslager am 5. Juli 1942 im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet. Er hinterließ in Ringsheim seine Ehefrau und zwei Töchter. Eine Tochter lebt heute in Ettenheim. Die Neugestaltung des Friedhofes ist Teil der Ortskerngestaltung und kostet die Gemeinde rund 200.000 Euro. Die Planung erstellte Landschaftsarchitekt Mario Kappis aus Lahr-Sulz, die Baumaßnahmen werden von Hubert Kopf, Garten- und Landschaftsbau Lahr, durchgeführt.

Mit der Gestaltung der Urnenwände und Stelen, sowie der Versetzung und Neugestaltung der Denkmäler sind die Steinmetzbetriebe Nuvolin und Werner Göhrig, beide aus Lahr, beauftragt. Bürgermeister Weber dankte besonders den Grabnutzungsberichtigten für das Entgegenkommen und der guten Zusammenarbeit. Dabei ging es auch um die Frage, ob Grabliegezeiten vorzeitig beendet werden können. Am 11. November soll die feierlich Einweihung des neugestalteten Westteils unter Beteiligung der französischen Parntergemeinde Albigny/sur Saône stattfinden. Vor einhundert Jahren endete an diesem Tag der 1. Weltkrieg.

Um 1750 gründe­te Pfarrer J. K. Machleid auf eigene Kosten die Herz-Jesu-Bruderschaft in Ringsheim. Mit jährlich fünf Festen, einem Haupt- und vier Nebenfesten, bestimmte sie lange Zeit das religiöse Leben der Gemeinde. Nach Pfarrer Machleids Tod wurde ihm 1763 das große barocke Friedhofskreuz erstellt.

Johann Kaspar Machleid: Stifter des Friedenskreuzes war Parrer von 1749 – 1763

Dieses Kreuz hat sich Machleid übers Grab setzen lassen, erfüllt vom Glauben und Wissen um die Erlösung durch Jesu Chirsti. Das Kreuz zeigt die Schmerzensmutter so, wie sie nach dem von den Schwertern des Schmerzes durchbohrten Herzen greift.  

[Text und Bild: Adelbert Mutz]